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Zdenko Hans SKRAUP

wurde am 3. März 1850 in Prag als Sohn des Domkapellmeisters Johann SKRAUP geboren. Von Vater und Onkel hatte er die Musikalität ererbt.

In den Jahren 1860-1866 besuchte SKRAUP die Oberrealschule in Prag, studierte in den Jahren 1866 bis 1871 an der Technischen Hochschule in Prag. In diesem Jahr absolvierte er den Wehrdienst als Einjährig-Freiwilliger bei einem Infanterieregiment in Prag und wurde zum Leutnant der Reserve befördert.

Im Jahre 1871 wurde er Assistent bei Heinrich Ludwig BUFF in Prag, gab diese Stelle aber alsbald wieder auf und war 1872 bis zu Anfang des Jahres 1873 in der Porzellanfabrik Alt-Rohlau bei Karlsbad beschäftigt. Bald darauf trat er in das Wiener Punzierungsamt als Praktikant ein, wechselte aber zu Anfang März 1873 in das Hauptmünzamt über, wo er im Juni als Beamter vereidigt wurde. Der Wunsch SKRAUPs, über den Eintritt in das Münzamt Zugang zum SCHRÖTTERschen Laboratorium zu gewinnen, ging nicht in Erfüllung, und so verbrachte SKRAUP seine Freizeit im Laboratorium der Geologischen Reichsanstalt. Als ihm im November 1873 von ROCHLEDER eine Assistentenstelle am II. Universitätslaboratorium angeboten wurde, nahm SKRAUP an, obgleich im Münzamt seine weitere Beförderung bereits beantragt war. ROCHLEDER verstarb bereits im folgenden Jahr. SKRAUP verblieb aber auch unter den späteren Leitern, Franz SCHNEIDER und dem Vorstand Adolf LIEBEN, als Assistent am Laboratorium bis zum Jahre 1881.

SKRAUP war im ersten Jahr, das er an diesem Institut zubrachte, Laboratoriums- und Vorlesungsassistent gleichzeitig, hatte ab dem Sommersemester 1874 den gesamten Anfängerunterricht zu erteilen, führte später allerdings nur den Unterricht der Pharmazeuten, in den letzten vier Semestern die Arbeiten der vorgeschrittenen und selbständig arbeitenden Praktikanten.

Am 17. März 1875 erwarb er das Doktorat der Philosophie an der Universität in Gießen und im Jahre 1878 legte er die Lehramtsprüfung für Realschulen aus den Fächern Chemie und Physik ab. In diesem Jahr wurde er vom niederösterreichischen Gewerbeverein als Berichterstatter zur Pariser Weltausstellung entsandt, wo er telegraphisch die Einberufung als Leutnant in einem kroatischen Infanterieregiment zur Besetzung Bosniens erhielt. Für seine Haltung in einem Gefecht bei Rokatiza wurde er zum Oberleutnant befördert und mit dem Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. SKRAUP bedankte sich beim Kaiser für diese Auszeichnung; während dieser Audienz entsprach SKRAUP aber den Umgangsformen bei Hofe nicht in jeder Hinsicht.

SKRAUP war ein außerordentlich energischer, temperamentvoller, dabei aber zielstrebiger Mensch, der, obgleich er von früh bis spät im Laboratorium arbeitete, häufig Gesellschaften besuchte, in die er schon wegen seines musikalischen Talents gerne aufgenommen wurde. Bei dem ihm eigenen Temperament ist es nicht verwunderlich, dass in seinem Freundeskreis manche Anekdote über ihn kursierte.

SKRAUP habilitierte sich an der Technischen Hochschule in Wien im Jahre 1879 für Chemie der Pflanzenstoffe, und am 18. Mai 1881 richtete er an die Wiener Philosophische Fakultät das Gesuch um Habilitation für „allgemeine Chemie“ und sprach die Hoffnung aus, „das hochlöbliche Professorenkollegium werde sich in Anbetracht dieser seiner zahlreichen Arbeiten und seiner langjährigen erfolgreichen Verwendung als Assistent im II. chemischen Laboratorium der Wiener Universität bewogen fühlen, von dem Umstände abzusehen, daß der ergebenst Gefertige nicht Doktor einer österreichischen Universität ist und keine Gymnasial- und Universitätsstudien aufzuweisen hat“.

Die Philosophische Fakultät wies dieses Gesuch einer Kommission zur Berichterstattung zu, der neben LIEBEN der Dekan ZEISSBERG und die Professoren BARTH, LOSCHMIDT, STEFAN, ZIMMERMANN und HARTEL angehörten. Die Mehrheit der Kommission sprach sich dafür aus, über den anormalen Studiengang SKRAUPs hinwegzusehen und ihn zu den weiteren Schritten der Habilitation zuzulassen, zumal sich alle Mitglieder der Kommission darin einig waren, dass „er in seinen wissenschaftlichen Leistungen beträchtlich über das Mass dessen hinausgegangen ist, was von einem gewöhnlichen Habilitanden verlangt zu werden pflegt“.

Der Bericht der Kommission löste in der philosophischen Fakultät eine lebhafte Diskussion aus; erst der Antrag Eduard SUESS’, das Grundsätzliche, die Habilitationsnorm Betreffende aus dem Kommissionsbericht zu streichen und lediglich über die Frage abzustimmen, ob der Paragraph 6 der Habilitationsnorm vom 19. Dezember 1848, der für außergewöhnliche Fälle wegen bedeutender wissenschaftlicher Leistungen die Zulassung zur Habilitation ermöglichte, für SKRAUP anzuwenden, brachte eine Klärung der Frage; darauf sprach sich die Fakultät für die Zulassung SKRAUPs zu den weiteren Stadien der Habilitation aus. SKRAUP legte am 22. Juni 1881 das Habilitationskolloquium ab und hielt am 25. Juni die Probevorlesung „Über die Constitution der Alkaloide“.

Das Ministerium bestätigte die Habilitation SKRAUPs mit Erlass vom 30. Juli 1881.

In diesem Jahr gab er die Assistentenstelle am Laboratorium auf und trat als Professor in die Wiener Handelsakademie ein.

Im Jahre 1883 heiratete SKRAUP Sophie TRUTTER.

In jenen Jahren, in denen er bis zum Jahre 1886 als Professor an der Wiener Handelsakademie tätig war, hatte er mehrfach Gelegenheit gehabt, seine Stellung zu wechseln. Im Jahre 1883 bot ihm die Badische Anilin- und Sodafabrik in Mannheim ein gut dotiertes Dienstverhältnis an.

Als Viktor MEYER seine bisherige Wirkungsstätte in Zürich im Jahre 1885 mit der in Göttingen vertauschte, schlug er SKRAUP als Nachfolger vor. Im Jahre 1886 war er auch bei der Besetzung der Lehrkanzel für Chemie an der Wiener Hochschule für Bodenkultur – im Vorschlag tertio loco gereiht – im Gespräch, die aber mit Hugo WEIDEL besetzt wurde. Im selben Jahr schlug die Prager Philosophische Fakultät Zdenko Hans SKRAUP primo loco für die Lehrkanzel für Chemie vor, die allerdings mit Richard MALY besetzt wurde. Mit dieser Versetzung MALYs an die Prager Universität war dessen Grazer Lehrkanzel an der Technischen Hochschule frei.

Die Technische Hochschule schlug für die Nachbesetzung nach eingehender Debatte folgende Terna vor: primo loco: Zdenko Hans SKRAUP, secundo loco: Guido GOLDSCHMIEDT und tertio loco ex aequo: Joseph KACHLER und Rudolf ANDREASCH. Mit allerhöchster Entschließung vom 16. Oktober 1886 wurde SKRAUP zum Nachfolger MALYs an der Grazer Lehrkanzel bestellt.

SKRAUP fühlte sich allerdings an dieser Hochschule nicht sonderlich wohl; das chemische Institut war räumlich sehr begrenzt, und der Unterricht für die Technikstudenten behagte SKRAUP nicht.

Doch stellte sich alsbald unvermutet eine Wende ein. Am 17. Februar 1887 wurde PEBAL „von einem irrsinnigen Diener, den er mit Wohltaten überhäuft hatte“, ermordet: SKRAUP wurde zu PEBALs Nachfolger bestellt und zweieinhalb Jahre später mit allerhöchster Entschließung vom 17. Jänner 1890 im Lehramt bestätigt.

Auch in seiner Grazer Zeit sorgte SKRAUP durch seine energische, temperamentvolle und zupackende Art für mancherlei Anekdote, sowohl an der Universität als auch in der Stadt Graz. SKRAUP fühlte sich in Graz – nicht zuletzt des schönen Laboratoriums wegen – sehr wohl und lehnte mehrmals Rufe nach Wien ab.

Im Jahre 1890 schlug die Wiener Philosophische Fakultät für die nach BARTH erledigte erste Lehrkanzel für Chemie folgende Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge ex aequo vor: Guido GOLDSCHMIEDT, außerordentlicher Professor an der Universität in Wien, Zdenko Hans SKRAUP, Ordinarius in Graz, und Hugo WEIDEL, Professor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. WEIDEL wurde zum Ordinarius und damit zum Vorstand des I. chemischen Laboratoriums der Wiener Universität ernannt.

Nach dem Tod WEIDELs im Jahre 1899 war wiederum SKRAUP einer jener Gelehrten, der für die Nachfolge auf dieser Lehrkanzel in Frage kam.

Die Philosophische Fakultät der Wiener Universität hatte für die Nachbesetzung dieser Lehrkanzel den in Zürich tätigen Professor und späteren Nobelpreisträger Alfred WERNER, einen vornehmlich mit der anorganischen Chemie sich beschäftigenden Gelehrten, vorgeschlagen, doch führten die daraufhin eingeleiteten Verhandlungen des Ministeriums hauptsächlich aus finanziellen Gründen zu keinem Resultat. Das Ministerium wollte auch nicht auf die Gehaltsforderungen des von der Wiener philosophischen Fakultät neben WERNER vorgeschlagenen SKRAUP eingehen und verlangte die Erstellung eines neuen Vorschlages durch die philosophische Fakultät, „zumal der noch weiters in Frage kommende Professor GOLDSCHMIEDT an der deutschen Universität in Prag neben dem Vorstand des II. chemischen Laboratoriums in Wien, Hofrath LIEBEN nicht in Betracht gezogen werden konnte“.

Im zweiten Vorschlag der Philosophischen Fakultät schienen Hans Freiherr von PECHMANN, Professor in Tübingen, und der Rostocker Ordinarius MICHAELIS auf. Die Verhandlungen des

Ministeriums mit PECHMANN scheiterten an dessen Gehaltsforderungen. Um nicht eine weitere Ablehnung von Seite eines Ausländers zu erfahren, verzichtete das Ministerium, auf Verhandlungen mit MICHAELIS einzugehen; es versuchte ein zweites Mal, SKRAUP für Wien zu gewinnen. Da auch dieses misslang, entschied man sich für die Einrichtung eines Provisoriums, bei dem die Oberleitung der beiden chemischen Institute LIEBEN übertragen wurde, ein Teil der lehramtlichen Aufgaben an die Adjunkten und außerordentlichen Professoren HERZIG und WEGSCHEIDER abgegeben wurde. Nun fürchtete die Wiener Philosophische Fakultät, dass das Ministerium über das Provisorium die zweite Lehrkanzel für Chemie einziehen wollte und richtete eine entsprechende Eingabe an das Ministerium, worauf dieses zum dritten Mal die Erstellung eines Vorschlages forderte.

Daraufhin schlug die Wiener Philosophische Fakultät SKRAUP unico loco vor „als den einzigen Candidaten, welcher bei Beachtung aller maßgebenden persönlichen wie fachlichen Momente für die Lehrkanzel unter den inländischen Candidaten in Betracht kommen konnte“. Doch auch dieser Versuch, SKRAUP zu gewinnen, scheiterte; SKRAUP forderte eine erhebliche Aufbesserung seines Gehaltes zur Abgeltung der in Wien gegenüber Graz wesentlich höheren Lebenshaltungskosten. Während er in Graz über ein großes chemisches Institut verfügte, hätte er in Wien sich mit einem weniger gut ausgestatteten und infolge der seinerzeitigen Teilung des Institutes mit der gemeinschaftlichen Benützung eines Hörsaales begnügen müssen. Das Ministerium sah sich außerstande, den von SKRAUP geforderten Neubau des chemischen Institutes zu garantieren.

Die Besetzungsmisere an der Wiener Universität wurde im Zuge der Rückberufung BOLTZMANNs aus Leipzig an die Wiener Universität schließlich dahingehend gelöst, dass das I. chemische Institut in eine Lehrkanzel für physikalische Chemie umgewandelt und mit Rudolf WEGSCHEIDER besetzt wurde.

Als man in Graz vom Vorschlag SKRAUPs für die Wiener Universität erfuhr, forderten die Professoren HABERLANDT, PFAUNDLER, SEUFFERT und LUICK die Einberufung einer außerordentlichen Fakultätssitzung, in der sie den Antrag stellten, sich in einer Eingabe gegen die Berufung SKRAUPs nach Wien auszusprechen, und für diesen die Rückgabe der Naturalwohnung im Grazer Institut verlangten. Die Philosophische Fakultät nahm diesen Antrag einstimmig an.

Anders lagen die Verhältnisse für SKRAUP nach der Versetzung LIEBENs in den Ruhestand im Jahre 1906. Die Mehrheit der von der Philosophischen Fakultät zur Erarbeitung eines Vorschlages für die Wiederbesetzung der Lehrkanzel eingesetzten Kommission sprach sich für die Nennung GOLDSCHMIEDTs und SKRAUPs ex aequo aus, während die Minderheit SKRAUP primo und GOLDSCHMIEDT secundo loco gereiht wissen wollte. Die Philosophische Fakultät schloss sich mit überwiegender Mehrheit diesem Vorschlag der Kommissionsminorität an und schlug dem Ministerium für die zu besetzende Lehrkanzel primo loco SKRAUP und secundo loco GOLDSCHMIEDT vor.

Im Zuge der Verhandlungen, die SKRAUP im August 1906 von Schladming aus führte, stellte er neuerlich jene Forderungen für eine Berufung an die Wiener Universität, die er schon seinerzeit erhoben hatte; neben Adaptierungen des chemischen Laboratoriums legte SKRAUP größten Wert auf die Zusicherung des Neubaues eines chemischen Institutes und erhielt eine entsprechende Personalzulage zugestanden. In SKRAUPs Überlegungen spielte auch die Frage eine Rolle, ob im Falle seiner Ablehnung der Berufung an die Wiener Universität GOLDSCHMIEDT nach Wien versetzt würde, was nach Ansicht des Ministerialsekretärs durchaus wahrscheinlich war. So lange LIEBEN an der Wiener Universität tätig gewesen war, war eine Berufung GOLDSCHMIDDTs nach Wien faktisch ausgeschlossen gewesen, weil das Ministerium offensichtlich davor zurückscheute, beide Wiener Lehrkanzeln für Chemie mit Gelehrten jüdischer Herkunft zu besetzen.

So nahm SKRAUP den Ruf an die Wiener Universität an, nachdem ihm verschiedene Zugeständnisse gemacht worden waren, vor allem aber der Neubau eines Institutes in Aussicht gestellt worden war; er wurde mit allerhöchster Entschließung vom 22. September 1906 an die Universität Wien berufen.

Im Verlaufe dieser Verhandlungen SKRAUPs über die Versetzung an die Wiener Universität hatte die Grazer Philosophische Fakultät ihn gebeten, in Graz zu bleiben, falls das für ihn nicht ein zu großes Opfer bedeutete. SKRAUP konnte aber diesen „so überaus ehrenvollen Ruf /.../ nach seiner Ansicht nicht ablehnen“. Im Herbst 1906 übersiedelte er „schweren Herzens“ nach Wien. Die Universität hat SKRAUP am 15. Oktober 1906 verabschiedet.

In Graz trat SKRAUP, der seit seiner Geburt der katholischen Konfession angehört hatte, mit drei minderjährigen Kindern am 3. Juni 1891 zum Protestantismus über.

SKRAUP hatte militärisches Auftreten und war begeisterter Soldat. Sein akademischer Beruf ging allerdings allen anderen Neigungen vor, und so ließ er sich vom Landsturmdienst befreien. Den Kommandoton behielt er auch im Laboratorium bei und wurde deshalb nicht immer von vornherein gleich als sympathischer Mensch empfunden.

SKRAUP besuchte allem Anschein nach nicht kontinuierlich die Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, wie dies etwa sein Vorgänger PEBAL getan hatte. Regelmäßig erschien er im September hingegen in Salzburg, wo er Vorträge hielt, wie er überhaupt den Salzburger Hochschulbestrebungen ein großes Interesse entgegenbrachte.

Die Wiener Akademie der Wissenschaften ernannte SKRAUP im Jahre 1892 zum korrespondierenden, im Jahre 1896 zum ordentlichen Mitglied, nachdem SKRAUP schon im Jahre 1886 mit dem Ignaz L. LIEBENschen Preis für die Chinolin-Synthese ausgezeichnet worden war.

SKRAUP war Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule in Prag und Mitglied verschiedener gelehrter Gesellschaften. Die Deutsche chemische Gesellschaft wählte ihn 1882 und 1889 zum auswärtigen Ausschussmitglied und 1909 schließlich zum Vizepräsidenten. Mit allerhöchster Entschließung vom 28. September 1889 wurde SKRAUP der Titel eines Hofrates verliehen.

Als Professor an der Wiener Universität arbeitete SKRAUP Vorschläge und Pläne für den Neubau des chemischen Institutes aus und hegte die Hoffnung, dass dieses Unternehmen alsbald ins Werk gesetzt würde; zu seinen Lebzeiten ist es allerdings nicht mehr dazu gekommen.

Zdenko Hans SKRAUP verstarb am 10. September 1910 in Wien an einem Herzschlag.

Forschungstätigkeit

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