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Karl von Frisch

Karl von Frisch war sechzig Jahre alt und in Fachkreisen eine internationale Zelebrität, als er 1946 nach Graz ging. Der Grund für diesen Schritt bestand nach seinen eigenen, im Jahre 1957 veröffentlichten Worten in den trostlosen Zerstörungen in München, das Grazer Zoologische Institut

war geräumig angelegt und gut ausgestattet. Zwar hatte eine Sprengbombe eine Ecke des Gebäudes zum Einsturz gebracht, aber was bedeutete das gegenüber München, wo nur ein Eckchen des Institutes noch kümmerlich benutzbar war. Im Grazer Stadtbild gab es Zahnlücken durch zerstörte Häuser, in München ragten die erhaltenen Gebäude als Inseln aus den Ruinenfeldern. So stand ich mit 60 Jahren vor der Wahl, meine restlichen Kräfte der Wiederherstellung des Münchner Zoologischen Institutes, oder in Graz der wissenschaftlichen Arbeit zu widmen. Das letztere schien mir richtiger.

Graz hatte durch den Krieg wenig gelitten. Die schöne Stadt, an den Ausläufern der steiermärkischen Berge in reizvoller Hügellandschaft gelegen, ist klimatisch begünstigt. Tier- und Pflanzenwelt dieser Gegend überraschen den Biologen durch südliche Formen. Die Universität hatte eine ruhmvolle Tradition, die freilich nun in Gefahr stand abzureißen. Als deutscher Vorposten im Grenzland hatte sich die Stadt den nationalsozialistischen Leidenschaften in stärkstem Maße hingegeben und die Universität hatte bei der 'Säuberungsaktion' keinen Respekt vor Leistungen gekannt. Nach dem Ende des Krieges fegte der eiserne Besen in umgekehrter Richtung abermals durch die Reihen der Dozenten. Ein Auffüllen der Lücken war um so schwerer, als Berufungen aus Deutschland nur selten in Frage kamen. Man mußte um die Zukunft der Universität besorgt sein.

(Karl von Frisch, Erinnerungen eines Biologen, Berlin-Göttingen-Heidelberg 1957, 131)

 

Karl von Frischs Briefe an den Botaniker Felix Widder

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