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Walther Nernst

Erinnerungen an seine Grazer Studentenzeit

Walther Nernst hielt am 12. März 1906 in Wien im Rahmen eines von der Fachgruppe der Chemie des „Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines“ veranstalteten Vortragszyklus ein Referat über die Elektrochemie. Am Vorabend fand im Hotel Imperial in Wien ein Festbankett statt, in dessen Verlauf Nernst selbst auf seine Studentenzeit in Graz zu sprechen kam:

Ich bin Ihnen und Ihrem Lande zu vielem Danke verpflichtet, und Sie haben aus den Worten meiner geehrten Herren Vorredner gehört, dass ich eigentlich ein alter österreichischer Student bin; in Graz hat mein Studententum sozusagen seinen Höhepunkt erreicht. Die Erinnerung an diese schöne Studentenzeit haftet unauslöschlich in meiner Erinnerung, und wenn es mir gelingen sollte, morgen durch meinen Vortrag Ihre Aufmerksamkeit ein wenig zu fesseln, so nehmen Sie das als schwachen Dank für die schöne Zeit, die ich an der Grazer Hochschule verbracht habe.

Im Herbst 1926 schrieb Walther Nernst an Svante Arrhenius:

Ich wollte Dir längst schreiben, besonders auch über unser altes Graz, wo ich im August war, aber seit Mitte August leide ich an einem sehr unbequemen Catarrh, ... Aber nun will ich Dir von Graz erzählen. Ausser einigen Universitätsfreunden galt mein Besuch natürlich Ettingshausen, der jetzt emeritiert, sonst aber wenig verändert ist. Wir verlebten herrliche Tage zusammen, nachdem wir uns über 20 Jahre nicht gesehen hatten, auch lernte ich seine Frau kennen, die ich bei einem früheren Besuch verfehlt hatte. Seine Frau ist etas besorgt um ihn (er ist jetzt ca. 75 Jahre), aber sein Gedächtnis ist erstaunlich, wir durchwanderten das alte physik/alische/ Institut u/nd/ er entsann sich jeder Einzelheit, auch die neuere Entwicklung der Physik hat er gut verfolgt. Besonders interessierten ihn die 'kosmischen Strahen' u/nd/ ich konnte ihm erzählen, dass die diesjährige Jungfrauexpedition die starke Aktivität der Milchstrasse u/nd/ einiger Atomgruppen wohl sicher (im Einklang mit dem frühen mehr vorläufigen Resultaten) erwiesen hätte. Hoffentlich gelingt es, die Methoden noch weiter zu verfeinern, dann würden wir wohl auch die natürlich nur äusserst schwache Strahlung der Sonne u/nd/ vielleicht unseres Erdinnern erkennen können. - Von den 'Blumenrittern' konnt ich Niemand mehr entdecken, auch im academischen Leben von Graz ist der Blutwechsel, so weit ich sah, quantitativ. - Sehr lustig war eine Excursion mit Ettingshausen's in die 'Nernstgasse', die zweifellos im Begriffe ist, sich zu einem der ersten Boulevards der schönen Residenzstadt Graz zu entwickeln. - Unsere Gespräche drehten sich natürlich hauptsächlich um die Vergangenheit u/nd/ um unsere gemeinsame (!) in Graz verlebten Semester.

(Alois Kernbauer, Svante Arrhenius’ Beziehungen zu österreichischen Gelehrten. Briefe aus Österreich an Svante Arrhenius (1891-1926) (= Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz 21) Graz 1988, 3f.)

Siehe auch die Zitate über Nernst aus den Briefen von Ignaz Klemenčič an Svante Arrhenius.

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