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Übernahme von Manuskripten aus dem Nachlass des Grazer Romanisten Julius Cornu (1849–1919)

Dienstag, 31.05.2022

Ein unverhoffter Fund des Stiftsarchivars Maximilian Alexander Trofaier führte das Team des Universitätsarchivs am 13. Mai 2022 in die Benediktinerabtei zu den Schotten in Wien.

Was sich, bereitgestellt in einer Umzugsschachtel, befand, rief großes Interesse hervor, nämlich zwölf Mappen aus dem Besitz des Grazer Romanisten Julius Cornu (geb. 24. Februar 1849, Villars-Mendraz (Schweiz); gest. 27. November 1919, Leoben). Sie enthielten fein säuberlich geschriebene Quellenstudien, die als Grundlage für Aufsätze über lateinische Metrik dienten. Cornu war als Nachfolger Hugo Schuchardts (1842–1927) 1901 aus Prag nach Graz berufen worden, wo er bis 1911 die Lehrkanzel für Romanistik innehatte. Hauptsächlich beschäftigte er sich mit Dialektforschung, das übernommene Konvolut zeigt ihn jedoch als Erforscher lateinischer Dichtung. Der Zusammenhang zur Mundartforschung kann wohl über das Interesse an den klanglichen Qualitäten der verschiedenen Versmaße hergestellt werden. Besonders bemerkenswert ist, dass es sich bei den Notizen und Auswertungen um einen quantifizierenden Ansatz handelt: die Häufigkeit bestimmter Versmaße (wie etwa Hexameter, Pentameter) wurde bei antiken Autoren (z.B.: Ovid, Vergil, Homer, Hesiod) minutiös untersucht. Die Aufzeichnungen erfolgten teilweise auf kariertem Papier und auf Vordrucken, wie sie für die Buchhaltung genutzt wurden. Somit entsprach dem Zählen auch eine spezielle äußere Form. Der Philologe selbst äußerte prägnant die Überzeugung: „Mehr als alle Worte sagen die Zahlen. Ich lasse sie sprechen.“ Die Ergebnisse erschienen in den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien (Philosophisch-Historische Klasse, Bd. 159/3, 1908) und in der Festschrift für den Germanisten Johann Kelle (1828–1909), einen ehemaligen Prager Kollegen Cornus. Eine Handvoll Briefe verrät zudem unter anderem auch die Mitarbeit von Cornus Ehefrau an seinen Forschungen und gewährt Einblicke in den Austausch mit anderen Wissenschaftern. Wie der Bestand an das Schottenstift kam, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden; es besteht die Vermutung, dass ein Professor des Stiftsgymnasiums in den Besitz der Mappen gekommen war. Wir bedanken uns bei Abt Mag. Nikolaus Poch OSB und dem Schottenstift für die großzügige Schenkung. 

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